Das Dragonerareal in Berlin-Kreuzberg

Das Dragonerareal ist ein altes Kasernengelände aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es befindet sich hinter dem Rathaus und dem Finanzamt Kreuzberg, dem alten Hauptgebäude, das von außen wie eine mittelalterliche Burg gestaltet ist. Im Norden wird es von der Obentrautstraße und im Westen von den Wohnhäusern der Großbeerenstraße begrenzt. Zur Zeit wird es durch das dort ansässige Gewerbe nicht vollständig genutzt und gleicht an vielen Stellen eher einer Stadtbrache, um deren unsanierte Gebäude sich teilweise so etwas wie Wildnis entwickelt hat.

Historisch gesehen ist das Gelände in mehrerer Hinsicht interessant:
Entstanden im Zuge zur Stärkung des Stehenden Heeres als Reaktion auf die Revolution 1848, Schauplatz der Ermordung von sieben Parlamentären nach der Besetzung des Vorwärts-Gebäudes im Januar 1919 und Ausbeutung von Zwangsarbeitern während des 2. Weltkriegs.

Aber das Gelände wurde über die Zeit sehr vielfältig genutzt, was jeweils sichtbare Spuren hinterlassen hat. Die verschiedene Schichten über- und nebeneinander sind gut erkennbar: von der Zeit als die Kaserne entstand, über die Hinterlassenschaften von vor 100 Jahren, als das Gelände ein Zentrum der Berliner Automobilindustrie war bis zu der eher ungeplanten und etwas chaotischen Nutzung seit dem 2. Weltkrieg. So entstand ein Überbleibsel, eine Art verwilderter, freier Raum für verschiedenste Gewerbe und Zwischennutzung, der beinahe typisch für das „Alte Berlin“ bis vor ca. 10 Jahren war.

Trotz seiner Lage ist das Areal lange Zeit nicht in Planungen berücksichtigt worden und kaum jemandem aufgefallen, der nicht direkt dort etwas zu tun hatte. Selbst die meisten AnwohnerInnen der anliegenden Kieze haben das Gelände selbst bis heute nicht wirklich wahrgenommen.

Als 2010 das Gelände verkauft werden soll formierten sich als Reaktion darauf verschiedene Initiativen. Deren Engagement führte schließlich dazu, dass das Dragonerareal heute dem Land Berlin gehört. Durch Zusammenarbeit zwischen Stadtregierung und Zivilgesellschaft soll im Zuge des gemeinwohlorientierten und kooperativen „Modellprojekt Rathausblock“ bezahlbarer Wohn- und Gewerberaum geschaffen werden. Ehrgeizige Ziele sind dafür gesetzt, so soll die Planung dafür transparent und inklusiv und das neue Quartier zukunftsweisend in vielen Belangen sein wie z.B solidarisch, nachhaltig, kulturell, der Geschichte verpflichtet und als eine Art Labor neue, flexible Wege des Lebens, Wohnens und Arbeiten aufzeigen.

Das ist der Ort, worum es geht.